Die Eisheiligen und die kalte Sophie

Heute wollen wir einen kleinen Beitrag zu deiner Allgemeinbildung leisten. Geschichte, Klimaforschung, christliches Kirchenwissen, Kalenderkunde – all in one. Kompakter geht es nicht!

Schon mal von den Herren Mamertus, Pankratius und Servatius gehört? Wahrscheinlich nicht. Das ist keine Schande, aber unter anderem bei diese Dreien findet Omas Warnung, mit dem Ausbringen frostempfindlicher Pflanzen bis nach der „kalten Sophie“ zu warten,  ihren Ursprung.

Gemeinsam mit Bonifatius und Sophia von Rom handelt es sich bei den drei eingangs genannten „Eismännern“ oder auch „gestrengen Herren“, wie sie in manchen Regionen heißen, um die sogenannten Eisheiligen. In der christlichen Kirche werden die Namenstage der fünf Heiligen zwischen dem 11. und 15. Mai gefeiert. Das sind nach jahrhundertealten Wetterbeobachtungen genau die Tage, an denen Mitte Mai statistisch gesehen häufig mit heftigen Kälteeinbrüchen zu rechnen ist. Erst danach beginnt die stabile, frostfreie Periode.

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Klimatische Ursache für die Eisheiligen

Meteorologisch lässt sich das Phänomen inzwischen leicht erklären: Die Erdmassen Europas erwärmen sich im Frühjahr schneller als die Wassermassen des Atlantik. Es kommt zu Luftdruckunterschieden mit heftigen Strömungen, wodurch der Weg frei wird für eiskalte Luftmassen aus dem Polargebiet, die bis weit nach Mitteleuropa hineinströmen.

Ein kleiner Fehler

Eine Randnotiz: Dass die beschriebene jährliche Witterungssituation tatsächlich erst eine gute Woche später auftritt, weist auf die Entstehung der Eisheiligen-Regel vor der Reform des gregorianischen Kalenders im 16. Jahrhundert hin. 1582 wurde der Kalender zwar um ca. 9 Tage verschoben. Im Volksglauben wurde aber auf eine diesbezügliche Anpassung der Eisheiligentage und entsprechender anderer Namenstage verzichtet. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass die fünf Heiligen alleine wegen ihrer zufälligen Namenstage, nicht jedoch wegen eines Bezuges zu den Mitte Mai auftretenden Kälteeinbrüchen als Eisheilige bezeichnet werden. Lediglich die Heilige Sophia von Rom wurde früher neben der Bitte um gute Ernten auch zum Schutz vor Spätfrösten angerufen. Diese Verbindung zum Thema Kälte ist aber eher Zufall.

Bauernregeln zu den Eisheiligen

Man kann sie auch Eselsbrücken nennen, die zumindest nach unserem heutigen Sprachgefühl etwas ungelenk formulierten Bauernregeln. Hier ein paar Beispiele zu den Eisheiligen:

  • Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz
  • Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost
  • Servaz muss vorüber sein, will man vor Nachtfrost sicher sein
  • Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder
  • Pflanze nie vor der Kalten Sophie
  • Mamerz hat ein kaltes Herz

Unser Ratschlag

Wer das Pflanzen im Freiland vor Ungeduld nicht bis zur kalten Sophie abwarten kann (was wir sehr gut verstehen können!), sollte aber auf alle Fälle in kalten Nächten die üblichen Sicherungsmaßnahmen beherzigen: Abdecken mit Folie und/oder ran an die Hauswand! Auch wenn es noch mal kalte Nächte geben kann: Die Freiluftsaison beginnt, nichts wie raus auf Balkon, Terrasse oder in den Garten! Blumixx hilft dir mit TippsUtensilien und natürlich Pflanzen, deinen Traumbereich im Freien zu verwirklichen.